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PARALLEL 48: Die Linie, auf der Europa denkt

Zehn Jahre 48forward Festival - 2027 erfinden wir es neu

PARALLEL 48: Die Linie, auf der Europa denkt
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Zehn Jahre lang haben wir das 48forward Festival veranstaltet. 2027 erfinden wir es neu – ohne klassische Bühne, dafür mit einer ganzen Straße und einem Namen, der auf keiner Landkarte eingezeichnet ist und doch durch halb Europa läuft: PARALLEL 48. Eine Ankündigung.

Es gibt eine Linie, die niemand sieht und auf der erstaunlich viel von dem geschrieben wurde, was Europa ausmacht. Sie verläuft durch Paris, wo auf 48,86 Grad nördlicher Breite die Salons der Aufklärung tagten. Durch Straßburg, auf 48,58 Grad, wo heute das Europäische Parlament debattiert. Durch Wien, auf 48,21 Grad, wo im Kaffeehaus die Psychoanalyse erfunden und die Moderne erstritten wurde. Durch Bratislava, auf 48,15 Grad. Und durch München, auf 48,14 Grad nördlicher Breite. Der 48. Breitengrad ist, ohne dass ihn je jemand so genannt hätte, die Linie, auf der Europa denkt, streitet und sich regiert.

Im Juni 2027 geben wir dieser Linie zum ersten Mal einen Versammlungsort. Zehn Jahre lang war das 48forward Festival ein fester Termin für alle, die sich beruflich wie privat mit der Zukunft beschäftigen. Jetzt bringen wir es zurück nach München – unter neuem Namen und in radikal neuem Format: PARALLEL 48. Eine Straße statt eines Saals. Viele Orte statt einer Bühne. Kein Podium. Den genauen Termin verraten wir bald. Die Geometrie steht schon fest.

Die Vertikale und die Horizontale

Denn um Geometrie geht es hier tatsächlich. Fast jede Konferenz der Welt ist vertikal gebaut: Das Licht senkt sich, ein Scheinwerfer findet die Bühne, jemand tritt ans Pult – und mit dieser einen Geste ist alles entschieden. Oben spricht einer, unten hören die anderen zu. Die Rollen sind verteilt, bevor das erste Wort gefallen ist. Wir kennen diesen Moment gut. Wir haben ihn in zehn Jahren oft genug selbst hergestellt – gern, mit Sorgfalt und mit Stolz. Und genau deshalb wissen wir, was er kostet: Eine Bühne erzeugt ein Gefälle. Sie trennt die, die reden dürfen, von denen, die zuhören sollen.

Eine Parallele ist das exakte Gegenteil. Sie ist die Horizontale schlechthin: eine Linie, die kein Oben und kein Unten kennt, keinen Anfang, kein Zentrum, keinen erhöhten Punkt. Jeder Ort auf ihr ist gleich weit vom Himmel entfernt. Wer sein Festival nach einem Breitengrad benennt, gibt damit ein Versprechen über dessen Architektur ab – und wir lösen es wörtlich ein: Gespielt wird auf einer Straße mitten in München und in den Locations, die zu ihr gehören. Mit 800 kuratierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, an zwei Tagen. Debatten neben Masterclasses, Workshops neben Begegnungen – durchlässig, gleichwertig, auf Augenhöhe. Die Straße ist die Parallele, begehbar gemacht.

Woher der Anspruch kommt

Dieser Plan kommt nicht aus dem Nichts. Mit unseren Medienformaten erreichen wir Monat für Monat mehr als zwei Millionen Kontakte. Bei Gin And Talk, unserem wöchentlichen Gespräch über Politik, Kultur und Gesellschaft, saßen in über 180 Folgen Gäste wie Gregor Gysi, Peer Steinbrück, Frank Schätzing, Alice Merton, Michel Friedman und Ricarda Lang – kein Interview, eher eine Unterhaltung, die sich Zeit nimmt. Bei FWRDTHINKERS sprechen wir mit denen, die Technologie und Wirtschaft nicht nur beobachten, sondern gestalten. Und bei Alles ok? reden wir über psychische Gesundheit, ohne den Reflex, sofort eine Lösung anzubieten.

Und wir bleiben nicht im Studio. Mit unserer Dinner-Reihe sind wir dort zu Gast, wo die Welt sich ohnehin trifft: bei der OMR in Hamburg, beim Web Summit in Lissabon, bei der Slush in Helsinki, bei der SXSW in Austin und der Munich Security Conference. Fünfzig bis zweihundert handverlesene Gäste pro Abend, kein offenes Networking, sondern ein kuratierter Tisch. Zwölf Monate, sechs Städte, zehn Abende – quer über die Längengrade, möchte man sagen. Bis sich im Juni 2027 alles auf einer einzigen Breite versammelt.

Eine Koordinate als Name

Für uns steckt in dem Namen auch eine stille Verbeugung vor der eigenen Herkunft. Unsere Dachmarke heißt 48forward – und die Stadt, in der alles begann, liegt tatsächlich auf dem 48. Breitengrad. Aus einer Firmenzahl wird eine Ortsangabe. Das ist die nüchternste Sorte von Namensgebung, die es gibt: Davos war auch nur ein Bergdorf, bis sich die Welt dort verabredete. Eine Koordinate behauptet nichts, sie bezeichnet nur. Was sie bedeutet, müssen die Menschen füllen, die sich auf ihr treffen. Wir fangen damit an.

Und ja: Wir wissen, was wir riskieren, und es wäre unehrlich, es nicht hinzuschreiben. Eine Horizontale hat keinen Höhepunkt. Eine Bühne bündelt Aufmerksamkeit, sie schafft den einen Moment, über den am nächsten Tag alle reden; viele offene Räume können auch Zersplitterung bedeuten. Es ist ein Versuch, und Versuche können scheitern. Aber nach zehn Jahren, in denen das Festival funktioniert hat, wäre die größere, glänzendere Version seiner selbst die bequeme Entscheidung gewesen. Wir treffen die andere.

Vielleicht ist das der eigentliche Einsatz: die Wette, dass eine Gesellschaft, die das Reden über Zukunft zu lange der Vertikalen überlassen hat – den Bühnen, den Podien, den Lautesten –, ihre besten Gespräche in der Horizontalen führt. Auf einer Straße, auf Augenhöhe, auf einer Linie, die Paris mit Straßburg, Wien und München verbindet und auf der Platz für alle ist, weil eine Parallele per Definition kein Gedränge um die Mitte kennt.

Mitte Juni 2027 finden wir es heraus. Bis dahin läuft die Linie weiter durch Europa, unsichtbar wie eh. Jetzt wisst Ihr, wo wir uns verabreden: auf der Linie. PARALLEL 48. München, Juni 2027.

Daniel Fürg

Daniel Fürg

Daniel Fürg ist Journalist, Autor und Gründer des Mediennetzwerks 48forward. In seinen Texten und Podcasts erkundet er die großen Fragen von morgen – zwischen technologischem Wandel, gesellschaftlicher Verantwortung und der Suche nach Orientierung.

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